Verhaltenskodex

Drogenknigge

Harm Reduction ist nicht nur Pharmakologie — es ist auch eine Frage des Umgangs miteinander. Diese Regeln sind keine Moralpredigt, sondern das, was erfahrene Konsument:innen, Awareness-Teams und Notärzt:innen seit Jahren wiederholen.

Niemals heimlich verabreichen — niemals.

Jemandem unwissentlich eine Substanz zu geben — ob KO-Tropfen, ein 'lustig' präpariertes Getränk, ein heimlich gerolltes Joint-Tütchen oder ein 'überraschend' starker Keks — ist nicht nur moralisch unentschuldbar, sondern in den meisten Ländern eine Straftat (in Deutschland u. a. gefährliche Körperverletzung, ggf. Vergewaltigung). Konsens ist nicht verhandelbar. Punkt.

Keine Substanzen an Unerfahrene.

Wenn jemand Wirkung, Dauer und mögliche Nebenwirkungen nicht selbst kennt, gib ihm/ihr nichts — auch nicht 'nur eine halbe'. Erkläre vorher in Ruhe, was passiert, wie lange, was unangenehm werden kann. Lieber gemeinsam recherchieren als später improvisieren.

Niemanden überreden — und sich nicht überreden lassen.

'Komm schon, einmal nur' ist die schlechteste Grundlage für eine gute Erfahrung. Jede:r entscheidet selbst, in eigenem Tempo. Ein klares Nein wird respektiert — ohne Augenrollen, ohne Diskussion. Und wenn du selbst zögerst: dein Bauchgefühl hat in 9 von 10 Fällen recht.

Schaut aufeinander.

Im Zweifel ist eine nüchterne Person die beste Versicherung des Abends. Achtet auf Atmung, Temperatur, Bewusstsein. Lasst niemanden allein, der wackelt — auch nicht 'kurz, der schläft nur'. Stabile Seitenlage kann Leben retten; im Notfall sofort 112 anrufen. Polizei kommt bei medizinischem Notruf in der Regel nicht mit.

Set & Setting ernst nehmen.

Schlechter Tag, ungelöster Streit, fremde Wohnung, laute Crowd? Das ist keine Grundlage für eine gute Erfahrung. Verschieben ist keine Niederlage — es ist Erfahrung. Die Substanz läuft dir nicht weg.

Low & slow. Immer.

Neue Charge, neue Quelle, neue Kombination = halbe Dosis und mindestens 90 Minuten warten (oral oft länger). Nachlegen kann man, zurücknehmen nicht. 'Ich spür noch nichts' ist die teuerste Standardfehlentscheidung überhaupt.

Mischkonsum ist die größte Risikoquelle.

Die meisten ernsten Zwischenfälle passieren nicht durch eine Substanz, sondern durch Kombinationen — besonders mit Alkohol, Opioiden, Benzodiazepinen oder GHB. Nutze den Mix-Check, bevor du Entscheidungen triffst, die du später nicht mehr rückgängig machen kannst.

Hinterlass nichts und niemanden im Müll.

Räumt zusammen auf — Locations, Bühnen, Freundschaften. Wer mit euch feiert, geht im besten Fall auch mit euch nach Hause oder zumindest sicher in ein Taxi. Drug-Checking nutzen, wenn verfügbar. Und: kein Fahren unter Einfluss. Nie.

Reden hilft — vorher, während, danach.

Sprecht über Erwartungen, Ängste, Grenzen, bevor es losgeht. Checkt euch mittendrin ('Alles gut bei dir?'). Und sprecht am Tag danach drüber — was war schön, was war zu viel, was machen wir nächstes Mal anders. So lernt man.

Im Notfall

112 wählen. Sag klar, was eingenommen wurde — Ehrlichkeit rettet Leben, der Rettungsdienst hat kein Interesse an Strafverfolgung. Bleib bei der Person, halte sie wach und in stabiler Seitenlage, falls sie nicht ansprechbar ist.

Sucht- und Drogen-Hotline (DE): 01806 313031 · Telefonseelsorge: 0800 111 0 111